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Nachhaltigkeit in Kitas: „Kinder sollen Mut bekommen, die Welt mitzugestalten“

Klimakrise, Umweltschutz, Ernährung, Energie, faire Beschaffung: Nachhaltigkeit stellt Kitas vor ganz praktische Fragen und vielfältige Herausforderungen. Wie werden Einrichtungen klimafreundlicher, ökologischer und fairer, ohne Kinder und Teams zu überfordern? Bei einem Fachtag in Rendsburg zeigte der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein e.V. (VEK), Fachverband für rund 600 Evangelische Kitas in Schleswig-Holstein, wie Nachhaltigkeit pädagogisch und organisatorisch gelingen kann.

Der Kita-Fachtag „Bildung. Nachhaltig. Evangelisch.“ im Evangelischen Kitaforum Rendsburg machte deutlich: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist kein Zusatzthema für einzelne Projekttage. Sie gehört in den Alltag von Kitas, in pädagogische Konzepte, in Teamprozesse und in Entscheidungen von Trägern.

„Viele Evangelische Kitas sind beim Thema Nachhaltigkeit längst auf dem Weg. Und das aus gutem Grund: das Thema Schöpfungsbewahrung ist Teil unseres Markenkerns. Entscheidend ist, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung als Teil guter pädagogischer Arbeit verstanden wird. Kitas können Verantwortung für die Welt kindgerecht und spielerisch vermitteln und Kindern zugleich die Erfahrung ermöglichen, dass die Zukunft gestaltbar bleibt.“, sagte VEK-Geschäftsführer Markus Potten.“, sagte VEK-Geschäftsführer Markus Potten.

Nachhaltigkeit ist zentrales Handlungsprinzip in den Kitas

Der Fachtag griff eine zentrale Entwicklung in Schleswig-Holstein auf: In den neuen Bildungsleitlinien für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege ist Nachhaltigkeit als verbindliches Handlungsprinzip beschrieben. Für Evangelische Kitas verbindet sich dieser Auftrag mit dem eigenen Profil: Kinder erleben im Alltag, was ein gutes Leben trägt. Dazu gehören verlässliche Beziehungen, Beteiligung, Gerechtigkeit, Verantwortung und der sorgsame Umgang mit der Schöpfung.

„Mit den neuen Bildungsleitlinien wird BNE erneut deutlich gestärkt. Nachhaltigkeit ist damit kein Randthema, sondern ein Handlungsprinzip für die pädagogische Arbeit. Das heißt: Sie wird dort wirksam, wo Kinder mitdenken, mitentscheiden und im Alltag erfahren, dass ihr Handeln Bedeutung hat“, sagte Lars-Oliver Petz, Fachberater für Inklusion und BNE beim VEK.

Schöpfungsverantwortung ohne Angst

Eine zentrale Perspektive brachte Pastor Christoph Fasse, Umweltpastor der Nordkirche, ein. Die Nordkirche habe ihre Treibhausgasemissionen bis 2025 bereits um rund 30 Prozent reduziert. Bis 2035 sollen 90 Prozent erreicht werden, bis 2040 Klimaneutralität. „Wir sind gut auf dem Weg, aber wir dürfen auf keinen Fall nachlassen“, sagte Fasse.

Nach ersten Erfolgen gehe es nun um anspruchsvollere Schritte: Gebäude, Mobilität, Beschaffung und konkrete Veränderungen im Alltag. Gerade Kitas könnten dabei wichtige Lern- und Erfahrungsorte sein. „Man kann Zukunft bauen“, sagte Fasse mit Blick auf die energetische Weiterentwicklung von Gebäuden. Auch Kinder könnten miterleben, wie sich eine Kita verändert und warum solche Schritte wichtig sind.

Besonders stark sei der Beitrag von Kitas dort, wo Nachhaltigkeit als Bildungsthema verstanden werde. „Nachhaltigkeit muss Querschnittsthema werden. Kinder haben ein Recht auf eine intakte Umwelt, und Erwachsene haben die Verantwortung dafür. Dabei geht es nicht darum, Kindern Angst zu machen, sondern sie zu ermutigen, die Welt mitzugestalten“, so Fasse. Die Sprache der Schöpfung sei ein besonderer Schatz, den die Kirche in diese Debatte einbringen könne.

Für VEK-Geschäftsführer Markus Potten steht fest: „Mit Blick auf den großen Gebäudebestand können Kitas nicht nur zu den ambitionierten kirchlichen Zielen beitragen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zu den Klimazielen des Landes leisten.“

Die ganze Einrichtung ist gefragt

Dass Nachhaltigkeit in Kitas nicht allein im pädagogischen Angebot stattfindet, sondern auch Strukturen, Abläufe und das Umfeld einer Einrichtung betrifft, machte Dr. Sonja Schweikart, Koordinatorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung im frühkindlichen Bereich der Landeshauptstadt München, deutlich. „Nachhaltigkeit wird dort wirksam, wo alle beteiligt werden. Es reicht nicht, einzelne Projekte umzusetzen. Entscheidend ist, die ganze Einrichtung und ihr Umfeld mitzunehmen, bis hin zu den Köchinnen und Köchen, die für das Kita-Essen zuständig sind“, sagte Schweikart, die auch die guten Beispiele aus Schleswig-Holstein in der Vergangenheit bereits aufmerksam verfolgte.

Konkrete Wege wurden im Fachtag ebenfalls sichtbar. Julia Ramackers vom Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche stellte die Zertifizierung „ÖkoFaire Kita“ vor, mit der Nachhaltigkeit in Beschaffung, Organisation und Alltagshandeln systematisch verankert werden kann. 86 ökofaire Kitas gebe es bereits in der Nordkirche, berichtete Ramackers, davon ein Großteil im Kirchenkreis Hamburg-Ost. Für den VEK zeigt das: Viele Einrichtungen beginnen nicht bei null, sondern entwickeln vorhandenes Engagement weiter.

In weiteren Vorträgen, Praxisimpulsen und Workshops ging es unter anderem um die konkrete Umsetzung von BNE im pädagogischen Alltag, Teamprozesse, Trägerverantwortung und Schöpfungspädagogik.

VEK will Kitas mit Blick auf Nachhaltigkeit weiter stärken

Der VEK will Bildung für nachhaltige Entwicklung weiter in seine fachliche Begleitung Evangelischer Kitas aufnehmen und Träger sowie Einrichtungen dabei unterstützen, Nachhaltigkeit pädagogisch, konzeptionell und strukturell zu verankern. Dabei gehe es nicht darum, Kitas mit immer neuen Anforderungen zu überfrachten. Vielmehr soll sichtbar werden, was vielerorts bereits geschieht, und wie Einrichtungen auf ihrem weiteren Weg gestärkt werden können.

„Kitas gestalten mit, wie unsere Kirche in Zukunft aussieht und auch unsere Gesellschaft“, so Umweltpastor Fasse. Kinder seien dabei nicht nur diejenigen, für die gehandelt werde, sondern auch Verbündete auf diesem Weg. Kleine Schritte zählten, wenn sie gemeinsam gegangen werden.

  • Was bedeutet BNE?
    Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, meint eine Bildung, die Menschen befähigt, verantwortliche Entscheidungen für Gegenwart und Zukunft zu treffen. Es geht um Fragen wie: Wie gehen wir mit Natur und Ressourcen um? Wie leben Menschen gerecht zusammen? Wie können Kinder und Erwachsene ihre Umgebung mitgestalten?In Kitas wird BNE besonders alltagsnah erfahrbar: beim gemeinsamen Essen, im Umgang mit Wasser, Energie und Materialien, im Kita-Garten, bei Ausflügen, in Kinderkonferenzen oder bei der Frage, was fair, gesund und gut für die Umwelt ist. Entscheidend ist: Kinder sollen nicht mit Krisen überfordert werden. Sie sollen erleben, dass ihr Handeln zählt und dass Zukunft gestaltbar bleibt.

Weitere Informationen

Carsten Höhn
  • Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Lars-Oliver Petz
  • Fachberater - Schwerpunkte Inklusion und Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)
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