Direkt zum Inhalt

PISA-Ergebnisse: Früher ansetzen heißt, in die Qualität der Kitas zu investieren

Der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein e.V. (VEK) schließt sich der Bewertung der Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände (LAG-FW) an: Die aktuellen PISA-Ergebnisse sind nicht allein ein Auftrag an Schulen. Wenn Bildungserfolg weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt, muss Bildungspolitik bereits in der frühen Kindheit ansetzen.

„Früher anzusetzen, darf nicht bedeuten, Kinder lediglich früher zu testen und Förderbedarfe zu dokumentieren“, sagt Markus Potten, Geschäftsführer des VEK. „Entscheidend ist, dass Kitas die Bedingungen erhalten, um jedes Kind gut begleiten und fördern zu können. Dafür brauchen sie ausreichend gut qualifizierte Fachkräfte, Zeit für jedes Kind und verlässliche Rahmenbedingungen. Dabei wäre es falsch, die Verantwortung einseitig bei den Eltern zu suchen. Familien bringen sehr unterschiedliche zeitliche, finanzielle und sprachliche Voraussetzungen mit. Gerade deshalb brauchen wir starke Kitas, die Kinder verlässlich fördern und Familien partnerschaftlich unterstützen. Sie sind anerkanntermaßen die erste Stufe in unserem Bildungssystem.“

Mit dem Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) auf Bundesebene und dem Entwicklungsfokus Viereinhalb, kurz EVi, in Schleswig-Holstein wollen sowohl Bund als auch das Land Schleswig-Holstein Entwicklungsstände früher erfassen und Kinder gezielter unterstützen. Das ist grundsätzlich richtig. Diagnostik allein schafft jedoch noch keine besseren Bildungschancen. Dafür brauchen Kitas ausreichend gut qualifizierte Fachkräfte, Zeit für jedes Kind und verlässliche Rahmenbedingungen.

„Wir haben längst kein Erkenntnisproblem mehr, sondern ein Umsetzungsproblem“, betont Potten. „Bund und Länder formulieren zusätzliche Aufgaben und Erwartungen, sichern deren Finanzierung aber nicht ausreichend ab. Wer mehr Sprachbildung, Entwicklungsbegleitung und Zusammenarbeit mit Familien will, muss dauerhaft in die Qualität der Kitas investieren.“

Dazu passt aus Sicht des VEK nicht, dass der Bund seine laufende Beteiligung an der Kita-Qualität zurückfahren will. Nach Angaben von Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré drohen dem Land künftig jährlich 20 Millionen Euro weniger Bundesmittel.

„Die Verantwortung für Bildungschancen darf weder einseitig bei den Familien noch bei den pädagogischen Fachkräften abgeladen werden“, so Potten. „Wir brauchen eine langfristige Bildungsstrategie von der Kita bis zum Schulabschluss, die Qualitätsziele, Zuständigkeiten und Finanzierung zusammenführt. Zusätzliche Aufgaben brauchen zusätzliche Ressourcen und keine gegenseitigen Schuldzuweisungen.“

Weitere Informationen

Carsten Höhn
  • Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Markus Potten
  • Geschäftsführer
  • VEK-Geschäftsstelle, Rendsburg
nach oben