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Sinkende Kinderzahlen für bessere Kita-Qualität nutzen

Der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein e. V. (VEK) warnt angesichts sinkender Kinderzahlen vor einem vorschnellen Abbau von Kita-Gruppen und Personal. Stattdessen sollten frei werdende Mittel im Kita-System bleiben und für eine bessere Qualität eingesetzt werden.

Die aktuelle Warnung von ver.di vor einem Abbau von Kita-Strukturen ist aus Sicht des VEK im Kern berechtigt. Wer heute Kita-Gruppen schließt und Fachkräfte verliert, kann beides bei einem später wieder steigenden Bedarf nicht kurzfristig zurückholen.

Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren viele erfahrene Fach- und Leitungskräfte altersbedingt aus dem Arbeitsfeld ausscheiden werden. Umso wichtiger ist es, Beschäftigte zu halten und gleichzeitig jungen Menschen eine verlässliche berufliche Perspektive in den Kitas zu bieten.

Planungsdruck bei Trägern nimmt zu

Eine belastbare Gesamtzahl zu Gruppen- oder Einrichtungsschließungen im evangelischen Bereich liegt dem VEK derzeit nicht vor. Der Verband betreibt selbst keine Kitas, sondern vertritt deren Träger. Bei den Mitgliedern ist jedoch ein deutlich zunehmender Planungsdruck wahrzunehmen.

Sinkende Kinderzahlen und regional zurückgehende Belegungszahlen stellen Träger und Kommunen vor die Frage, welche Angebote langfristig benötigt werden und wie die vorhandenen Strukturen finanziert werden können.

Dabei stellt sich die Entwicklung im Land sehr unterschiedlich dar. Während es an einigen Orten freie Plätze gibt, bestehen andernorts weiterhin Engpässe oder ein Bedarf an wohnortnahen und verlässlichen Angeboten. Die Jugendhilfe- und Bedarfsplanung muss diese regionalen Unterschiede künftig genauer und vorausschauender abbilden.

Das Land ist bemüht, dafür in den Kreisen eine solidere Datengrundlage zu schaffen. Diese muss aber erst noch aufgebaut werden. Schnelle Entscheidungen, die allein auf aktuellen Belegungszahlen beruhen, wären deshalb aus Sicht des VEK riskant.

Keine Vollbremsung bei den Kita-Strukturen

Auch die jüngsten Änderungen des § 13 KiTaG betrachtet der VEK vor diesem Hintergrund kritisch. Bereits die Ankündigung, die Fristen für einen möglichen Widerruf der Förderung von Gruppen zu verkürzen, hat bei Kommunen und Trägern erhebliche Unsicherheit ausgelöst.

Die Auswirkungen der Regelung müssen deshalb im angekündigten Monitoring genau ausgewertet werden. Wenn Träger nicht verlässlich planen können, werden sie kaum bereit sein, weiter in Räume, Personal und pädagogische Strukturen zu investieren. Wir brauchen jetzt keine Vollbremsung, sondern eine Bedarfsplanung mit Augenmaß.

Frei werdende Mittel müssen im Kita-System bleiben

Der Vorschlag des VEK zur Finanzierung lautet: Sinkende Kinderzahlen müssen in bessere Qualität übersetzt werden, nicht in eine Abbauautomatik. Die vorhandenen Mittel müssen im Kita-System bleiben und für stabilere Personalschlüssel, verlässliche Vertretungsreserven, Inklusion und mehr Zeit für jedes Kind eingesetzt werden.

Die Träger und ihre Mitarbeitenden haben den Ausbau der Betreuungsplätze über Jahre mit großem Einsatz ermöglicht. Damit war die Erwartung verbunden, nach dem quantitativen Ausbau auch die strukturelle Qualität zu verbessern. Diese politische Zusage muss nun eingelöst werden.

Die Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag selbst eine Erhöhung des Personalschlüssels in dieser Legislaturperiode angekündigt. Sinkende Kinderzahlen eröffnen jetzt die Möglichkeit, dieses Ziel umzusetzen.

Vorübergehende Unterbelegung absichern

Gleichzeitig muss die Finanzierung vorübergehende Unterbelegungen und notwendige Vorhaltekapazitäten berücksichtigen. Nicht jeder freie Platz ist ein struktureller Leerstand, denn Fixkosten und ein Großteil der Personalkosten bleiben zunächst bestehen.

Deshalb braucht es weiterhin eine zeitlich begrenzte Absicherung bei sinkender Auslastung. So gewinnen Träger und Kommunen Zeit, ihre Angebote geordnet an den langfristigen Bedarf anzupassen. Kurzfristige Schwankungen dürfen nicht unmittelbar zum Abbau von Gruppen, Personal und wohnortnahen Angeboten führen.

Angesichts rückläufiger Bundesmittel ab 2027 ist es umso wichtiger, dass frei werdende Landesmittel konsequent im Kita-System verbleiben.

Weitere Informationen

Carsten Höhn
  • Referent für Öffentlichkeitsarbeit
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